Menschen bei Diehl Dr. Karl Herrmann


„Ich will jeden Tag etwas Neues entdecken“


Karl Herrmann leitet eine Entwicklungsabteilung und erobert die Lüfte

Karl Herrmann ist 60 und erfüllt Kindheitsträume. Der Sohn eines Kraftfahrers und einer Bäuerin ist einer von den Jungen gewesen, die das heimische Röhrenradio auseinandernahmen, um nachzusehen, wie es funktioniert – und es wieder einwandfrei zusammensetzen. Theoretisch. Denn Karl Herrmann wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, seine Kenntnisse von Elektrotechnik bezog er nur aus Büchern. „Heute ist es viel einfacher, Teile zu beschaffen und etwas zu basteln“, erinnert sich der Leiter Entwicklung bei Diehl Gas Metering im fränkischen Ansbach. Karl Herrmann war Funker bei der Bundeswehr, danach folgte ein Elektrotechnik-Studium in Erlangen, das er als Diplom-Ingenieur abschloss. Der Berufsweg hätte den Absolventen nun direkt zu seiner heutigen Position führen können, doch Karl Herrmann lässt sich lieber von seiner Leidenschaft leiten: neue Ideen suchen, finden und umsetzen.

Diese Passion war es, die ihn nach zwei Jahren Berufstätigkeit zurück an die Uni trieb. „Ich hatte eine Schaltung entwickelt und sollte das ein zweites Mal machen“, sagt Herrmann, „wozu, wenn ich doch etwas Neues erfinden kann?“ Er kündigte und lehrte als „Akademischer Rat auf Zeit“ Hochfrequenztechnik. Nach der Promotion 1984 erhielt er von Diehl ein Angebot. Herrmann sollte sich in Röthenbach mit 94 Gigahertz-Millimeterwellen für Radartechnik befassen. „Dann hat mein früherer Arbeitgeber wieder gerufen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Karl Herrmann wirkte dort im Entwicklungsmanagement. Zehn Jahre entwickelte er breitbandige, optische Übertragungssysteme. Das weltweit erste derartige, kommerzielle System wird in der Weitverkehrstechnik von Netzbetreibern wie der Deutschen Telekom oder Telecom Australia eingesetzt – und ist Voraussetzung für das heutige Internet. Später war Herrmann beispielsweise an der Softwareentwicklung für die ersten DVD-Recorder beteiligt. „Die waren in einem massiven Alurahmen eingepasst, weil wir befürchteten, dass die Vibrationen sonst die Funktion beeinträchtigen könnten“, erinnert er sich. Auch bei der Entwicklung schlüsselloser Zugangs- und Startsysteme für Autos war Karl Herrmann als Projektmanager für einen US-Konzern involviert. „Ich habe stets das Neue gesucht – und bisweilen gefunden.“ Zurück zu Diehl fand er auch. Als das Unternehmen 2009 das Smart Metering (elektronische Fernauslesung von Zählern) in Deutschland forcieren wollte, konnte Herrmann dafür gewonnen werden. „40 Millionen Strom- und 20 Millionen Gaszähler müssen umgestellt werden, eine gewaltige Aufgabe.“ Mit zehn Mitarbeitern tüftelt der 60-Jährige heute an einem mikrothermischen Gaszähler, „demnächst muss das Gerät produktionsreif fertig auf dem Tisch stehen“.

Eine Herausforderung, die Karl Herrmann bewältigen wird, wie so viele davor. „Mal sehen, was dann Spannendes kommt“, sagt er. „Andere zählen die Tage bis zur Rente, ich nicht. Ich will jeden Tag etwas entdecken.“ So wie bei seinen Reisen, die seine Frau und ihn mit dem Rucksack beispielsweise quer durch Mexiko oder auf dem InkaTrail zu Fuß über 4.200 Meter hohe Pässe durch die peruanischen Anden führen. Oder beim Kurzwellenfunk. „Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt und mir ein Amateur-Röhrenfunkgerät zugelegt, mit 30 Meter langer Antenne“, erzählt er, „manchmal gelingt es sogar, einen Gesprächspartner in Japan zu finden.“ Über Kurzwelle ein echter Treffer, in der Regel trägt die Funktechnik europaweit, lediglich alle elf Jahre sind die Bedingungen für weltweiten Funk optimal. „Übers Handy mit dem anderen Ende der Welt kommunizieren kann jeder, für Funker ist das jedoch eine echte Herausforderung.“ Übrigens: Pilot ist der Vater zweier Kinder auch. Allerdings im Modellflugbereich, ein weiterer Kindheitstraum. Vier Maschinen mit Styroporrumpf und Elektromotor gehören ihm. „Die Maschinen zu fliegen ist einfach, aber sie heil hoch und runter zu bringen, daran arbeite ich noch ...“