Themen im Fokus Spike Familie


Themen im Fokus

Die Streitkräfte stehen vor neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Multinational geführte Einsätze, asymmetrische Konflikte, aber auch das Gefahrenpotenzial terroristischer Angriffe bedrohen die äußere und innere Sicherheit und stellen neue Anforderungen an Ausrüstung, Technik und Logistik der Einsatzkräfte.


Spike NLOS

„Im Spannungsfeld begrenzter Budgets und technischer Spitzenleistungen“

Militärische Beschaffer und Streitkräfte müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Anforderungen und Erwartungen bezüglich einer aufgabenorientierten Ausrüstung im vereinbarten Zeit- und Kostenrahmen von wehrtechnischen Unternehmen erfüllt werden. Allein schon die Fürsorgepflicht gegenüber den Soldaten verlangt es, der Truppe für ihre gefährlichen Missionen die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung zu stellen.

Das Verteidigungsgeschäft vollzieht sich im Spannungsfeld begrenzter Beschaffungsbudgets, kleiner Programmstückzahlen, fragmentierter Verteidigungsmärkte und hoher Anforderungen an die technische Leistungsfähigkeit militärischer Ausrüstung. In diesem herausfordernden Umfeld verfolgt Diehl Defence neben eigenen Entwicklungen die Erweiterung des Produktportfolios durch Kooperation mit internationalen Partnern.

Als präzise Abstandswaffe sind Lenkflugkörper mit ihrer Datenlink-Fähigkeit für die Streitkräfte unverzichtbar. Im Heer finden sie Anwendungen in der Infanterie, bei Spezialkräften sowie bei der Artillerie. Flugkörper-Entwicklungen in Europa vollziehen sich meist in internationalen Kooperationen (Beispiel IRIS-T). Eine andere Art der Beschaffung bietet die EuroSpike GmbH, ein Joint Venture mit den Gesellschaftern Diehl Defence, Rafael  und Rheinmetall. Die Programmfirma vermarktet die israelische Spike-Lenkflugkörper-Familie im europäischen Raum und stellt im Rahmen einer Workshare-Vereinbarung sicher, dass große Produktionsanteile in Deutschland realisiert werden. Ein weiteres Ziel ist die gemeinsame Weiterentwicklung der Produktlinie.

Spike-Flugkörper-Familienkonzept: Mehrwert für den Nutzer

Die Flugkörper-Familie besteht heute aus der Spike SR (Short Range), der Spike MR (Medium-Range), der Spike LR (Long Range), der Spike ER (Enhanced Range) und der Spike NLOS (Non-Line-of-Sight) im Reichweitenband von 2 bis 30 km.  Unter beschaffungspolitischen Gesichtspunkten bietet die Spike-Familie mehrere Vorteile:

Zum einen spart der Beschaffer durch Nutzung fertiger, qualifizierter Produkte erhebliche Kosten bei der Flugkörperentwicklung und -erprobung.

Ebenso reduzieren sich Herstell- und Materialkosten mit der querschnittlichen Verwendung gleicher Technologien und Komponenten. Dazu zählen u.a. die Sensorik, elektronische und mechanische Baugruppen, aber auch der Gefechtskopf, der Startbehälter sowie der faseroptische- oder RF-Datenlink. Der Beschaffer kann auf kostenträchtige Neuentwicklungen verzichten und sichert sich günstigere Einkaufsbedingungen.
 
Ferner ergeben sich Vorteile bei Schulung und Training der Soldaten durch ein standardisiertes Bedien-Konzept, das die Einweisung auf unterschiedliche Geräte erleichtert.

Weiterhin reduzieren das Wissen und die Erfahrungen aus der Qualifikation der ersten Spike-Flugkörper den Aufwand bei der Qualifikation und Zulassung der Folgetypen.

Darüber hinaus ermöglicht die gleiche konzeptionelle Auslegung der Spike-Flugkörper-Familie den Einsatz eines sogenannten Universal-Werfers („Generic Launcher“). Der Werfer kann eine Mischbeladung der Flugkörper-Typen Spike LR, Spike ER und Spike NLOS im Reichweitenband von vier, acht bis 30 km aufnehmen. Für Luft-Boden-Einsätze eröffnet der „Generic Launcher“ dem Hubschrauber-Piloten die Option, je nach Missionsszenario und Zielbeschaffenheit den am besten geeigneten Flugkörper auszuwählen.

Schließlich fördert die weite Verbreitung von Spike-Lenkflugkörpern in Europa die Waffenstandardisierung unter den NATO-Partnern und erleichtert damit die gegenseitige logistische Unterstützung im Einsatz. Einsparpotenziale entstehen dadurch vor allem in der Ersatzteilversorgung, Materialerhaltung und in der Wartung.

Die erfolgreiche deutsch-israelische Zusammenarbeit eröffnet der Bundeswehr Zugang zu verfügbaren, einsatzerprobten Produkten, für deren Entwicklung ansonsten erhebliche eigene Finanzmittel aufgebracht werden müssten. Die Spike-Flugkörpertypen LR, SR (Short-Range) und NLOS (Non-Line-Of-Sight) seien hier nur exemplarisch aufgeführt.

Spike LR: Standardbewaffnung in europäischen Streitkräften

Der mehrrollenfähige, leichte Lenkflugkörper Spike LR ist seit 2009 in Deutschland eingeführt und bei vielen europäischen Streitkräften im Einsatz oder in der Beschaffung. Er dient als Ausrüstung für gepanzerte Fahrzeuge, Infanterie und Spezialkräfte und ist darüber hinaus als Bewaffnung für den Schützenpanzer PUMA vorgesehen. Spike LR erlaubt die zielgenaue Bekämpfung gepanzerter und ungepanzerter Fahrzeuge, aber auch von Hubschraubern, Bunker-, Mörser- und Artilleriestellungen auf Entfernungen von 4.000 m.
 
Die faseroptische Datenverbindung eröffnet dem Schützen die Möglichkeit, während der gesamten Mission Flugbahnkorrekturen und Zielwechsel vorzunehmen sowie notfalls die Mission abzubrechen. Optimalen Schutz genießt der Soldat bzw. das Gefechtsfahrzeug, weil sich SPIKE LR aus verdeckten Stellungen und umschlossenen Räumen einsetzen lässt.

Die Arbeitsanteile von Diehl am Spike LR-Programm umfassen die „Intelligenz“ des Flugkörpers. Sie schließen den bildverarbeitenden Suchkopf ebenso ein wie das Lenk-und Steuerteil, die Energieversorgung, den Startbehälter und die Endintegration.

Spike SR: Flexibilität für den infanteristischen Einsatz

Nach unten abgerundet wird die Produkt-Familie durch den Fire & Forget-Flugkörper Spike SR von Rafael. Dieser Flugkörper für infanteristische Einsätze erfüllt mit variablen Reichweiten von 50 bis 2.000 m die Anforderungen der Bundeswehr bezüglich der Funktionalen Fähigkeitsforderung „Leichtes Wirkmittel 1.800 m plus“. Moderne Technologien im Hinblick auf Sensorik, Antrieb, Steuerung, Regelung und Bedienung finden in SPIKE SR ihre Anwendung. Die schulter-verschossene Waffe ist innerhalb von sechs Sekunden einsatzbereit und nicht schwerer als zehn kg.

Beim einem Spike SR-Demonstrationsschießen Ende 2015 in der Negev-Wüste konnten sich Vertreter deutscher Amtsstellen und Kommandobehörden von der Leistungsfähigkeit des Flugkörpers überzeugen. Dabei erzielte Spike SR im Infrarot-Modus Direkttreffer gegen vier verschiedene Zielszenarien in unterschiedlichen Entfernungen.

Spike NLOS: Direkttreffer auf 30 km

Im Jahr 2013 haben Diehl Defence und Rafael eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit beim Lenkflugkörper Spike NLOS für den Einsatz bei Infanterie- und Artillerie unterzeichnet. SPIKE NLOS verfügt über eine Radio Frequency (RF)-Steuerung sowie über eine ausgeklügelte Sensorik und kann mit unterschiedlichen Gefechtsköpfen geliefert werden. Der Lenkflugkörper lässt sich sowohl von Landfahrzeugen als auch von Hubschraubern und Schiffen verschießen und kann stehende und sich bewegende Ziele in Entfernungen bis zu 30 km unter allen Wetterbedingungen punkgenau bekämpfen.

Bei der Zielbekämpfung ohne Sichtlinienverbindung auf lange Reichweiten kann das von Rafael optional angebotene und einsatzerprobte Schützenassistenzsystem Matchpoint seine Vorteile ausspielen. Die Matchpoint-Software (auch im Spike LR und ER verwendbar) erlaubt mittels moderner Sensor-, Steuerungs-und Bildkorrelationstechnik höhere Präzision sowie schnellere Zielortung und -bekämpfung. Spike NLOS ist ein fertiges, qualifiziertes Produkt, das die Bundeswehr kostengünstig beschaffen könnte.

Vielversprechende Ansätze von Flugkörper-Familienkonzepten

Internationale Kooperationsprogramme und die Realisierung modularer Flugkörper-Familienkonzepte liefern vielversprechende Ansätze, um den Zielkonflikt zwischen begrenzten Beschaffungsbudgets mit geringen Stückzahlen und kostenträchtigen Produktentwicklungen durch hohe Leistungsanforderungen an militärische Ausrüstung abzumildern. Die querschnittlich nutzbare Spike-Flugkörper-Familie, die von zahlreichen Streitkräften beschafft worden ist, bietet sowohl dem Nutzer als auch dem Hersteller erhebliche Kostenvorteile bei Material-Einkauf und Fertigung, Ersatzteilversorgung, Wartung und Dokumentation, aber auch bei Training sowie bei aufwendigen Qualifizierungs- und Zulassungsverfahren.

Diese Win-Win-Situation weist Lösungswege auf für die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Hersteller, die auch für andere Vorhaben als nachahmenswertes Beispiel dienen könnte.