Die Streitkräfte stehen vor neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Multinational geführte Einsätze, asymmetrische Konflikte, aber auch das Gefahrenpotenzial terroristischer Angriffe bedrohen die äußere und innere Sicherheit und stellen neue Anforderungen an Ausrüstung, Technik und Logistik der Einsatzkräfte.
Entwicklungs- und Hardware-Kompetenz für Lenkflugkörper
SIMONE: Lückenlose Überwachung und effektiver Schutz für Marinekräfte
Ein leichter Mörser für die Armee im Einsatz
Neue Großkaliber-Punktzielmunition für Heer und Marine
Bodengestützte Luftverteidigung
Aktives Fahrzeugschutzsystem von Diehl demonstriert Überlegenheit in scharfem Schuss
IRIS-T, der Kurzstreckenflugkörper neuester Generation
Politik & Sicherheit (September 2010) - Schutz durch Wirkung

Gefahren aus der Luft gehen von Raketen, unbemannten Fluggeräten, Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Granaten aus. Sie bedrohen Bevölkerungszentren und kritische Infrastruktur, wie Talsperren und Kernkraftwerke, aber auch Einrichtungen und Objekte, wie z.B. Feldlager internationaler Truppenkontingente in den Kriegs- und Krisengebieten. Hier leisten Einheiten der bodengebundenen Luftverteidigung ihren Beitrag zur Sicherung des Luftraums, zum Schutz der Zivilbevölkerung sowie der Soldaten im Einsatz.
Seit dem Jahr 2007 entwickelt Diehl Defence im Auftrag des deutschen Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) einen modernen Lenkflugkörper mit Startgerät für den bodengebundenen Luftverteidigungseinsatz. Der als IRIS-T SL (Surface Launched) bezeichnete Flugkörper deckt ein breites Zielspektrum ab, sowohl auf kürzeste Entfernungen als auch bis hin zu mittleren Reichweiten. Auf Basis dieses Flugkörpers und in Zusammenarbeit mit führenden Sensorherstellern bietet Diehl Defence ein komplettes, interoperables und anpassungsfähiges Luftverteidigungssystem mit einzigartigen Leistungsparametern. Insbesondere der umfangreiche Zielkatalog, die 360° Abdeckung von kürzesten bis zu mittleren Distanzen, die uneingeschränkte Mehrfachzielbekämpfungs- und Allwetterfähigkeit sowie der hohe Automatisierungsgrad setzen neue Standards in der zukünftigen bodengestützten Luftverteidigung. Das System wird im mobilen Einsatz, zum Schutz von Räumen oder Punktzielen und Missions bezogen eingesetzt. Hierbei kann es sich sowohl um den Schutz von kritischer Infrastruktur oder Veranstaltungen, als auch im die Landesverteidigung oder den Auslandseinsatz handeln.
Die Waffensystemkomponenten:
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM (Surface Launched Medium Range) besteht im Wesentlichen aus den Komponenten Sensor, Effektor und Feuerleitsystem. Alle Komponenten sind autonom, vernetzt und lassen sich missionsbezogen kombinieren. Sie sind hochmobil und luftverlastbar in Flugzeugen der C-130 Klasse. Auf standardisierten 20-Fuß-ISO-Containerrahmen integriert und somit unabhängig vom Trägerfahrzeug sind alle Systemkomponenten auch stationär einsetzbar.
Der Sensor:
Das System IRIS-T SLM nutzt als Hauptsensor 3D Multifunktionsradare neuester Generation. Das Radar mit einer Abdeckung von 360° wird zur Luftraumüberwachung und Zieldatenbereitstellung genutzt. Dabei werden hohe Update-Raten und verschiedene Such- und Zielverfolgungsmodi in unterschiedlichen Bereichen realisiert. Das System kann mit elektro-optischen Sensoren ergänzt werden, um zum Beispiel in Operationen unterhalb der Kriegsschwelle optische Identifizierung von Zielen zu ermöglichen, oder aber bei entsprechenden Einsatzerfordernissen die Bekämpfung einzuleiten, ohne Radarstrahlung zu emittieren.
Der Effektor:
Der Boden-Luft-Flugkörper IRIS-T SL ist die Weiterentwicklung des in vielen europäischen Ländern und international als Standardbewaffnung moderner Kampfflugzeuge eingesetzten Flugkörpers IRIS-T. Diese umfasst u.a. die Leistungssteigerung des Raketenmotors sowie die Ausrüstung mit einem Datenlink und einer GPS-gestützten Navigation. Der Lenkflugkörper wird in einem leichtgewichtigen, glasfaserverstärkten Lager-, Transport- und Start-Behälter wartungsfrei an den Kunden ausgeliefert. Ein mit einem Anbaudrehkran ausgestattetes Beladefahrzeug ermöglicht das Nachladen der acht Flugkörper des Startgeräts im Einsatz innerhalb von zehn Minuten. Der vorfragmentierte Gefechtskopf sowie der Raketenmotor der IRIS-T SL sind insensitiv. Damit ist ein Zünden durch Brand, Blitzschlag, Beschuss oder unsachgemäße Handhabung (Sturz, Aufprall) ausgeschlossen und der Einsatz auch im urbanen Umfeld möglich.
Der Flugkörper wird im Endanflug durch einen Infrarotsuchkopf hoher Präzision und herausragender Störresistenz gegen aktive und passive Gegenmaßnahmen ins Ziel gelenkt. Der hochauflösende, passive Infrarotsuchkopf ermöglicht in Verbindung mit modernster Bildverarbeitung eine genaue Analyse des Ziels mit hoher Bild-Updaterate und die Wahl des optimalen Wirkpunktes im Ziel. Der Suchkopf registriert nicht nur geringste Temperaturunterschiede, die aus aerodynamischer Reibung resultieren. IRIS-T SL erkennt die Kontur des Ziels und kann auch kleine Flugobjekte mit geringer Wärmeabstrahlung bekämpfen.
Das Zielspektrum:
Das Waffensystem lässt sich gegen das gesamte Spektrum der Starr- und Drehflügler einsetzen. Weiterhin ist die Bekämpfung von Cruise Missiles, Drohnen, U(C)AV, Air-to-Surface-Missiles (ASM), Anti-Radar-Raketen (ARM), Seezielflugkörpern, Large Caliber-Rockets und Präzisionsbomben möglich.
Das Startgerät:
Acht Flugkörper werden auf einem fern bedienten und unbemannten Startgerät eingesetzt. Das Startgerät ist zehn Minuten nach Einfahrt in die Stellung vollautomatisch aufgebaut, ausnivelliert und feuerbereit. Alle acht Lenkflugkörper können in schneller Folge verschossen werden. Dabei lassen sich unterschiedliche Ziele in verschiedensten Richtungen in einer Entfernung von bis zu 40 Kilometern und Höhen bis 20 Kilometern bekämpfen. Die hohe Agilität des Flugkörpers wird durch minimale Reaktionszeiten und Laufzeiten des Gesamtsystems ergänzt. Daraus resultiert eine „innere Totzone“ von weniger als einem Kilometer.
Das Startgerät kann über Datenfunkanbindung bis zu 20 Kilometer vom Feuerleitsystem entfernt aufgestellt werden. Alle erforderlichen Komponenten wie zum Beispiel Generator, Waffenleitrechner, Antennen und Kommunikationsmittel sind auf dem Systemrahmen aufgebaut.
Das Feuerleitsystem:
Das Feuerleitsystem TOC (Tactical Operations Center) ist mit zwei Operateuren besetzt, die den taktischen Luftkampf führen. Es verfügt über moderne, ergonomisch optimierte Arbeitsplätze mit Doppelbildschirmen und ist ABC-geschützt. Von hier wird das gesamte Waffensystem kontrolliert und überwacht. Das TOC verfügt über die relevanten Datenschnittstellen (real-time und non-real-time) und Kommunikationsmittel zur Anbindung an übergeordnete Führungsstrukturen. Eine offene Systemarchitektur ermöglicht die flexible Integration in bestehende und künftige Luftverteidigungssysteme. Weiterhin wird eine Anpassung an Einsatzerfordernisse ermöglicht, da
beliebige Komponenten ergänzt oder entfernt werden können (plug&fight). Bereits ein Radar, ein TOC und ein Startgerät bieten einen Rundumschutz von 40 Kilometern Radius. Die Anbindung der Waffensystemkomponenten erfolgt über Funk oder Glasfaserdatenkabel.
Fazit
Im Bereich „Bodengebundene Luftverteidigung“ beherrscht Diehl Defence die Auslegung flexibler und modularer Systemkonfigurationen. Offene und standardisierte Schnittstellen ermöglichen eine einfache Anbindung des Flugkörpersystems an bestehende und künftige Feuerleitkomponenten. Diehl Defence entwickelt das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM mit dem Ziel der Serienreife ab 2014.